02.06
Warum ein Ministerium für Kultur gegründet wird
Die jungen Künstler befinden sich in zu starker Abhängigkeit von den Erfordernissen des Tages. Die jungen Künstler im Kapitalismus, die ‘für die Ewigkeit’ schreiben wollen, finden ihr extremes Pendant bei uns, wo man es für notwendig hält, über die Ereignisse des Vormittages bereits abends einen Roman anzufertigen.� (Günter Kunert)
Mit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zum 3. Oktober 1990 entfiel für das Auswärtige Amt in Bonn auch die bis dahin notwendige Beschäftigung mit dem anderen deutschen Staat. Diese Aufgabe war von nun an eine innerdeutsche Angelegenheit. Einige Jahre später, genauer: am 5. Dezember 2005 konnte man auf der Website des Auswärtigen Amtes folgendes lesen: �Kultur ist in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur das Kernstück der Eigenstaatlichkeit der Länder, das Grundgesetz räumt dem Bund nur geringe Regelungskompetenzen ein. [�] Deshalb hat es bislang auch kein Ministerium für Kultur auf Bundesebene gegeben. Die Bundesregierung hat jedoch eine Beauftragte für die Angelegenheiten der Kultur und der Medien, die im Range einer Staatsministerin beim Bundeskanzler tätig ist.� Wenn nun von einigen weniger wichtigen Irrtümern oder Ungenauigkeiten (Der Bundeskanzler ist eine Frau, die Kulturstaatsministerin ist dafür keine und das Auswärtige Amt ist nicht auf der Höhe der politischen Entwicklung. ) abgesehen wird, fallen dem interessierten Zeitgenossen mehrere Dinge auf. Es hat dem AA zufolge weder in der BRD vor 1990 noch in der heute noch existenten jemals ein Bundesministerium für Kultur gegeben oder gibt ein solches. Kultur ist also dezentral organisiert. Und: Es muss demnach im heutigen Deutschland und in der Bonner Republik bis 1990 einen anderen Kulturbegriff mit anderen Aufgaben und einer anderen politischen Durchdringung geben und gegeben haben � denn in der DDR gab es seit Anfang 1954 ein Ministerium für Kultur.
Diesen Umstand mit der zuvor in der DDR eingeführten Bezirksgliederung und der nicht vorhandenen bundesstaatlichen Verfasstheit der DDR zu erklären, erscheint nicht als besonders fruchtbar; die im Folgenden zu beantwortenden Fragen sind darum die danach, wie es zur Gründung eines solchen Ministeriums kam und was seine Aufgaben waren. Zuvor kann der Umweg �über ein Nachschlagewerk jedoch nicht schaden.
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In einem Wegweiser von Herbst et all. findet sich unter Ministerium für Kultur (MfK) die Angabe, dass selbiges per Erlass des Ministerrates vom 7. Januar 1954 gebildet worden sei und bis zum Ende des 2. Oktobers 1990 gearbeitet habe. (Herbst, 675f.) Es übernahm die Aufgaben der Staatlichen Kommission für Kulturangelegenheiten (Stakuko), des Amtes für Literatur und Verlagswesen und des Staatlichen Komitees für Filmwesen. Diese Ministerialbehörde fungierte als zentrales (!) staatliches Organ zur Sicherung einer einheitlichen staatlichen Kulturpolitik. Die hier angesiedelten Zuständigkeiten und Aufgaben umfassten die gesamtstaatliche Kulturpolitik bezüglich der Kunstentwicklung und des kulturellen Erbes, d.h. Literatur, Literaturpolitik, Verlagswesen, Buchhandel, Filmwesen, Theater, Musik, angewandte und bildende Künste, Unterhaltungs- und Volkskunst sowie das gesamte damit zusammenhängende Veranstaltungswesen. Größere Kulturstätten wie die Deutsche Staatsoper Berlin, das Deutsche Theater oder die Staatlichen Museen zu Dresden oder Berlin waren direkt dem Ministerium unterstellt. Dies galt auch für alle Kunsthochschulen, deren Beaufsichtigung direkt dem Ministerium unterstand. Abgerundet wird diese illustre Sammlung durch ein Institut für Kulturbauten, das für die Planung und die Projektierung von Kulturbauten zuständig war. Je nach Sachlage war damit Rekonstruktion oder Neubau gemeint.
Interessant hierbei ist das Erscheinungsbild des �typischen Kulturhauses�, das es schon sehr früh in jeder noch so kleinen Stadt der DDR gab. �über die Epoche des Baus kann häufig schon allein durch die Art der Gestaltung dieser Häuser gemutmaßt werden; viele sehen sehr nach einem Projekt der (frühen) fünfziger Jahre aus. Aus der Tatsache heraus, dass in einer Zeit eklatanten Mangels an Wohnraum gleichzeitig massiv Ressourcen in den Bau von Kultureinrichtungen investiert worden sind, kann einiges �über das Verständnis von Kultur auf politisch-administrativer Ebene geschlussfolgert werden. Kunst wurde damals, mit Klessmann gesagt, zum Planfaktor.
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�Damals� meint hier das Jahr 1951, in dessen März das ZK der SED sich entschloss, den Kampf �gegen Formalismus und Kosmopolitismus� aufzunehmen. Im entsprechenden ZK-Beschluss vom 17. März d. J. heißt es �über den �Formalismus�, dessen wichtigstes Merkmal bestehe in dem Bestreben, unter dem Vorwand oder auch der irrigen Absicht, etwas �vollkommen Neues� zu entwickeln und den völligen Bruch mit dem klassischen Kulturerbe zu vollziehen. Dies wiederum führe � völlig logisch � zur Entwurzelung der nationalen Kultur, zur Zerstörung des Nationalbewusstseins, fördere den Kosmospolitismus und bedeute schlussendlich eine direkte Unterstützung der Kriegspolitik des amerikanischen Imperialismus. Damit sind die ideologischen Eckpfeiler gesetzt, nun müssen Maßnahmen her. Erforderlich sind aus Sicht des ZK u. a. die Bildung der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten zwecks Anleitung der Kulturträger und ihrer Einrichtungen sowie das Studium des Marxismus-Leninismus, dessen Erkenntnis den Kunstschaffenden helfen werde, �das Leben in seiner Aufwärtsentwicklung richtig darzustellen� (zit. b. Judt, 319). Ferner erfordere die aktive Teilnahme der Kunstschaffenden am demokratischen Neuaufbau, die �Voraussetzung für eine erfolgreiche Gestaltung von Gegenwartsproblemen� (ebd.) sei, dass künstlerische Arbeit planmäßig organisiert werde. Ziel des Ganzen war ergo die Verschmelzung von nationalem Repräsentationsanspruch und sozialistischer Umgestaltung im Sinne der Planwirtschaft, die Arbeit daran zentrale politische Aufgabe der Kunst.
Der Feind ist also der Formalismus, das Ideal der (sozialistische) Realismus, der Weg die Stakuko. Die Ablehnung differenzierter Kunstformen kommt auch in vier Maximen des sozialistischen Realismus zum Ausdruck: lebensecht und volkstümlich müsse sie sein, das Typische darstellend und sozialen Optimismus verbreitend. Viel Raum für Individualismus ist da nicht, aber im Rahmen einer planmäßigen Entwicklung des nationalen Kulturerbes war dieser auch nicht erwünscht. Dass der Bauhausstil als funktionalistisch abgelehnt wird, die Kunst als ganzes aber eine planmäßige Funktion zu übernehmen hat, ist da nicht mehr als eine Petitesse.
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Werner Mittenzwei weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die deutsche Revolution ausgeblieben, dafür die russische �verarbeitet� worden sei, was zum grundsätzlich epigonalen Charakter beigetragen habe. Jeder Sonderweg zum Sozialismus, etwa ein, den deutschen, spezifischen Verhältnissen angepasster, wurde im Glauben an die Gesetzmäßigkeit der Entwicklung negiert und als Abweichung gebrandmarkt, die Reinheit der Partei und ihrer Lehre waren oberstes Gebot, Kritik von unten unerwünscht � ein schlechter Boden für eine Kunst, die sich als individuelle Verarbeitung der Lebenswirklichkeit versteht und ein echtes Problem für sozialistische Künstler; oder besser: solche, die sich für �sozialistisch� hielten, denn die Vorstellungen darüber, was ein �echter sozialistischer Künstler� sei, dürften bei ZK und Künstlern differiert haben, nicht umsonst wird mit Brecht ein Künstler zum aufrechten Kritiker des Sozialismus aus sich selbst heraus.
Der Arbeit der Staatlichen Kunstkommission (und auch ihrer literarischen und filmischen Pendants, des Amtes für Literatur- und Verlagswesen und der Kommission für Filmwesen) leitet sich aber nicht aus dem Begriff einer individuell verarbeiteten Kunst ab, sondern aus dem Arbeitsauftrag �der Errichtung einer realistischen Kunst� (Otto Grotewohl, zit. b. Judt, 356), den diese von der Regierung erhalten habe; es solle, so Grotewohl weiter, der Führungsanspruch der Kommission nicht durch engen Polizeigeist, Anmaßung und Überheblichkeit, sondern durch Wissen und Können, Anleitung und Hilfe begründet werden. Grotewohl erkennt das Ausmaß� der, der neuen Behörde übertragenen Autorität � er selber spricht davon. Problematisch sind hierbei die gewählten Begriffe, denn kritische Geister könnten Anmaßung und Überheblichkeit mit Wissen und Können, Polizeigeist mit Anleitung und Hilfe, schlechterdings Zensur gleichsetzen. Die Begriffe können vom selben Verfahren zeugen, lediglich der Grad der Fremd- oder Selbstzuweisung mag sich unterscheiden.
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Diese Sicht wird durch Berichte von der 5. ZK-Tagung gestützt, auf der der Minister für Volksbildung Paul Wandel zum 7. Tagesordnungspunkt �Der Kampf gegen den Formalismus in der Kunst� fragte, ob es denn die Orlow-Artikel gewesen seien, die dazu veranlassten, in Schärfe und Gründlichkeit die Diskussion zu führen. Und sich selber antwortend: �Ohne Zweifel ist die Hilfe unserer sowjetischen Freunde und ihr Hinweis auf die Dringlichkeit dieser Diskussion eine entscheidende Ursache dafür, da� wir sie in dieser Entschiedenheit und Konsequenz führen.� (zit. b. Mittenzwei, 101) Die Nutzung des Wortes �Hilfe� � man könnte fast von �Hilfe zur Selbsthilfe� sprechen � tarnt den ambivalenten Charakter dieser Hilfestellung kaum: einerseits gab es unter ZK-Mitgliedern (als den Hilfebedürftigen) kaum Widerstand, die sowjetische Kunstdiskussion zu übernehmen, andererseits wollten sie so (diesmal als Helfende) den Führungsanspruch der Partei auch in der Kunst durchsetzen.
Die oben erwähnten Orlow-Artikel waren unter Pseudonym veröffentlichte Beiträge des obersten russischen Diplomaten in der DDR, Wladimir S. Semjonow, der es aber geschickt verstand sich im Hintergrund zu halten. Bereits 1948 waren in der SBZ erste Artikel �über Formalismus in der deutschen Malerei erschienen; die Formalismus-Debatte setzte sich bis Mitte der fünfziger Jahre fort. Das Verdikt des Formalismus war so umfassend und gleichzeitig unkonkret, dass sich Brecht 1953 beschwerte, ob nicht endlich mal jemand zu definieren vermöge, was eigentlich Formalismus sei � man kann mithin von einer Entsprechung des Kosmopolitismus-Vorwurfs auf künstlerischer Ebene sprechen. Nun lag der Formalismus-Debatte, die aus der SU übernommen worden war, ein relativ einfaches Schwarz-Weiß-Schema zugrunde: Es gab die Richtung des Realismus und die des Formalismus. Brecht als findiger Zeitgenosse hätte also schlussfolgern können, dass alles Nichtbeanstandete realistisch, alles zu Kritisierende/Kritisierte formalistisch sei; dies ist aber wohl kaum die Antwort auf seine Frage.
Der Ton, der in den Kritiken, die eine Grundlage der Debatte bildeten, ist von Mittenzwei als mildere Form der Schauprozesse bezeichnet worden � es ist demnach erbittert gerungen worden und dabei ist der Gegenstand der Diskussion etwas, dass sich nach Sicht der Produzenten (die Künstler) nicht in starre Schemata einordnen lässt, während die Käufer (der Staat) dies wohl zu tun beabsichtigte. Ein schwer aufzulösender Widerspruch und einer, der bei Zerschlagung des Knotens wohl massive Nebenwirkungen gehabt hätte. Die Debatte fand u. a. in der Oper �über die Brecht/Dessau-Oper �Lukullus� oder der Eisler-Bearbeitung des Faust-Stoffs ihre Anlässe; die Ursachen dieser bornierten Debatte, die eigentlich mehr ein Einschlagen der administrativen Seite auf die, sich nicht geschickt genug wehrenden Künstler war, kann im Durchdringungsanspruch der SED in Kopie sowjetischer Vorgehensweise gesehen werden� freilich ohne zu prüfen, ob diese auch problemlos zu übertragen sei.
Die Folgen waren ebenso katastrophal wie weit reichend: die Ablehnung gerade der revolutionären Kunst von vor 1933 und des deutschen Expressionismus entzogen der jungen DDR die Möglichkeit, sich �als kulturelle Bahnbrecherin zu erweisen.� (Ernst Niekisch 1951 an Bertolt Brecht) � dies war jedoch eine der Möglichkeiten gewesen, die viele Kulturschaffende angezogen hatte, da sie glaubten, sich im besseren Deutschland besser einbringen zu können.
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Dies wird gerade in der Auseinandersetzung �über Eislers Faust deutlich, deren Tonfall sich vom Vordergründig-politischen hin zum eher Kulturtheoretischen verlagerte. In dieser Stellvertreterdebatte prallten nicht weniger als zwei Strategien von �Kultur- und Kunstpolitik mit marxistischem Anspruch� (Mittenzwei, 107) aufeinander. Während Brecht, Eisler und andere, die sich durchaus als sozialistisch sahen, die marxistisch-dialektische Denkkultur der zwanziger und dreißiger Jahre fortführen wollte, wachten die Kulturfunktionäre Girnus und Abusch, und nicht zuletzt Walter Ulbricht darüber, dass von der Intelligenz kein Einfluss ausging, der nicht mit der Partei in Einklang stand. Man brauchte die Intellektuellen zwar und stattete sie mit großzügigen Privilegien aus, reglementierte und kontrollierte sie aber auf das Strengste. An dieser Situation sollten erst diejenigen etwas ändern, die hier bislang keine Erwähnung fanden � die Arbeiter, die am 17. Juni 1953 auf die Straße gingen.
Mit dem zuvor propagierten Aufbau des Sozialismus erhöhte sich der Druck allerorten. Als er sich entlud, blieb die Solidarisierung der Intelligenz mit den Arbeitern aus. Jäger begründet das damit, dass erstere mehr als Ketten zu verlieren hatten. Aber die Wirren der Folgezeit, in denen Ulbricht fast gestürzt worden wäre, aber schließlich seine Opponenten diejenigen waren, die fielen, führten zu einem Schwächemoment der Administration, den die Künstler ihrerseits nutzten, um mit kulturpolitischen Forderungen an die Öffentlichkeit zu treten.
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In diesem etwas offeneren Klima ergaben sich plötzlich neue Freiheiten, die für eine Debatte genutzt wurden, die schließlich zur Auflösung der Stakuko und zur Gründung des Ministeriums für Kultur führten. Allerorten wurde �über die Kulturpolitik diskutiert, ein veröffentlichter Beitrag ist der Artikel �Es geht um den Realismus� von Wolfgang Harich in der Berliner Zeitung vom 14. Juli 1953. Darin heißt es u. a.: �Warum steht die Staatliche Kunstkommission so gänzlich anders da? Warum wird sie von der �überwiegenden Mehrheit der Künstler [�] verabscheut? Warum werden ihre führenden Funktionäre gefürchtet oder als lächerlich empfunden? [�] Liegt das wirklich am alten Kurs und an den Prinzipien, denen die kulturell-erzieherische Funktion des Staates Geltung verschaffen sollte? � Keineswegs! [�] Maßgeblich sind nicht einzelne Verdienste, die die Kunstkommission und die Kritiker Girnus und Magritz haben mögen, maßgebend ist die Grundtendenz ihrer Tätigkeit [�]� Diese hätten durch verschiedene Methoden �einen Geist der Furcht, der Unaufrichtigkeit und der Kriecherei großgezüchtet�, so Harich weiter. Brecht verhöhnte die Kunstkommission im Gedicht Nicht feststellbare Fehler der Kunstkommission. Die Akademie der Künste forderte, dass sich staatliche Organe administrativer Maßnahmen in Fragen des Stils zu enthalten hätten. Die SED reagierte Ende Juli 1953 mit der vagen Zusage, weniger Zwang und mehr geduldiger Überzeugungsarbeit anzuwenden. Dies aber war in der aufgerührten Situation zu wenig: viele Künstler traten in die öffentliche Debatte ein und brachten Beispiele des Erlebten, ein besonders schönes Stefan Heym, der später einen sehr prägnanten Roman, Fünf Tage im Juni vorlegte: Er mokiert sich �über die zu einfache und simplifizierende Sichtweise der Kulturfunktionäre am Beispiel seines Kinderstücks �Tom Sawyer�. Da sei tatsächlich eine ernsthafte Diskussion darüber entstanden, �ob Huckleberry Finn auf der Bühne im Laden von Toms Tante Backpflaumen klauen dürfe. Denn, so wurde gefolgert, wenn Huck Finn auf der Bühne gestattet wird, Backpflaumen zu klauen, dann werden sämtliche Kinder von Halle anfangen, auch Backpflaumen zu klauen [Das Stück sollte in Halle aufgeführt werden. � I.G.]� Otto Grotewohl traf sich im Oktober 1953 zu einer Aussprache mit Kulturschaffenden, deren einziges greifbares Ergebnis die Gründung des zuvor u. a. von Johannes R. Becher und Bert Brecht geforderten Ministeriums für Kultur.
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Mit der Ministeriumsgründung war auch die Auflösung der Filmkommission und der Kunstkommission verbunden, während das Amt für Literatur- und Verlagswesen noch bis 1956 bestand, deren Aufgaben das Ministerium sukzessive übernahm. Grotewohl machte bei diesem Treffen aber auch deutlich, dass auf die Lenkung und Klarheit nicht verzichtet würde. Treffend ist hier Luise Rinsers Bemerkung an Johannes R. Becher: �Du bist zwar ein berühmter Mann, aber du hast keine Macht.� Somit, folgert Jäger, sei die vom Ministerrat am 7. Januar 1954 beschlossene Gründung des Ministeriums für Kultur unter Leitung Bechers das einzige Ergebnis der kulturpolitischen Debatte des Jahres 1953 geblieben. Mittenzwei sieht dagegen einen Erfolg der Intellektuellen darin, sich von der sowjetischen Formalismus-Doktrin und der platten Ausrichtung auf die Vorbildrolle der sowjetischen Ästhetik befreit zu haben.
Während der Minister Becher im März 1954 die Aufgabe des Ministeriums in der Verteidigung der Einheit der deutschen Kultur sehen wollte, waren die Akzente im folgenden Oktober schon auf die Arbeit an der Volkskultur in der DDR verschoben worden � der Kulturbund konnte so �über die Person Bechers in das stalinistische Herrschaftssystem eingepasst werden und das Ministerium für Kultur war zum Instrument in der kulturellen Konfrontation der beiden deutschen Staaten geworden. Weiter unbeantwortet blieb dagegen zumindest offiziell die Frage des Regisseurs Martin Hellberg auf dem Oktober-Treffen ein Jahr zuvor, wer denn �über die Leistung entscheide, wenn es immer hieße, dass Leistung entscheide.
Literaturverzeichnis:
Quellen:
Judt, Matthias (Hg.), DDR-Geschichte in Dokumenten. Beschlüsse, Berichte, interne Materialien und Alltagszeugnisse, hrsg. v. d. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe, Bd. 380, Bonn, 1998.
Literatur:
Herbst, Andreas/ Ranke, Winfried/ Winkler, Jürgen, So funktionierte die DDR, Bd. 2, Reinbek bei Hamburg, 1994.
Jäger, Manfred, Kultur und Politik in der DDR 1945-1990, Köln, 1995.
Klessmann, Christoph, Die doppelte Staatsgründung: deutsche Geschichte 1945-1955, Göttingen, 51991.
Mittenzwei, Werner, Die Intellektuellen. Literatur und Politik in Ostdeutschland 1945-2000, Leipzig, 2001.
Schiller, Dieter, Der Dichter wird Minister. Johannes R. Bechers Kulturpolitik und Dichtung zwischen Dialog und Dirigismus 1948-1954, in: derselbe, Johannes R. Becher und die Krise des Kulturbunds 1949-1951, hrsg. v. Mayer, Herbert/ Meier, Helmut/ Nakath, Detlef/ Welker, Peter, hefte zur ddr-geschichte, Bd. 63, Berlin, 2000, S. 42-60.
Trampe, Andreas, Kultur und Medien: in, Judt, Matthias (Hg.), Geschichte in Dokumenten. Beschlüsse, Berichte, interne Materialien und Alltagszeugnisse, hrsg. v. d. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe, Bd. 380, Bonn, 1998, S. 293-314.
Website:
http://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/55.0.html (abgerufen am 05.12.2005).
a – Buskampage
Aha … yeah…
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Schneckenmühle – DAS sind Ferien
Aber jetzt: wegtreten, du Schäuble, du…!
Dreißig Schwerter | Mai und Beaflor
Werbung, wie gesagt
Wollen | Kriegen
kl. anfrage, wo finde ich gedruckt Brechts sarkastisches Poem über “Fehler der Kunstkommission” (konkret befragt, konnten die
Herren keinen einzigen Fehler nennen…), ich möchte genau zitieren.
Dank für Hinweis, Gruß S.P.
Hier könnte man mal gucken (Fußnote 1).