10.23
Nach andauernden Studien in Lokalen mit Bierausschank muss sie jetzt einmal hinaus, die Liste einiger Verhaltensregeln, die einen selbst niemals unbeliebter, im Zweifel nüchterner und so den gesamten Abend insgesamt erfolgreicher werden lassen. Inspiration ist natürlich eine ähnlich geartete Liste von Verhaltensempfehlungen in diesem amüsanten Buch. Im Gegenteil zu Frank Kelly Rich liegt mein Fokus aber hinter Bar bzw. dort, wo Billiglöhner gerade malträtiert werden und wie man ihnen das Leben leichter macht. Und schon geht’s los…
1.) Gehe niemals an die Bar, wenn der Laden voll ist, um dort zu bestellen (es sei denn, du bist schon am verdursten natürlich) – die Leute dort ignorieren dich nicht mit Absicht. Und du störst jeden, buchstäblich jeden Ablauf, der dort dafür sorgt, dass keiner, buchstäblich keiner, verdursten muss. Und dass die Leute dort so schnell wie möglich arbeiten, ergibt sich aus ihrem ureigenen Interesse, solange wie möglich niemanden verdursten zu lassen.
Denn merke: Erste Hilfe=Stress
2.) Du darfst am Tresen bestellen, wenn deine Bestellung mit dem Öffnen einer Bierflasche erfüllt werden kann. Ein Glas dazu zu bestellen ist schon grenzwertig.
Und merke: Du musst in Deutschland selten gleich bezahlen.
3.) Wenn dir jemand eine Karte anbietet, nimm sie. Es sei denn, du bestellst gleich für alle anderen am Tisch Dinge, die es sowieso gibt: Wodka-O, Beck’s oder einen Kaffee (natürlich nicht einen für alle zusammen). Wenn einer am Tisch einen Blick in die Karte wirft, warte (bitte) mit deiner Bestellung, bis sich alle entschieden haben. Und sich das auch gemerkt haben.
Ach ja, merke: Jeder Gang, den eure Runde dem Kellner erspart, macht euch sympathischer.
4.) An sich ist es schon nervig genug, wenn der Kellner permanent an einem vorbeirennt, zugegeben. Tut er dies in einem leeren Lokal, ist er oder sie ein Arsch. Ist das Lokal voll, gibt es möglicherweise Gründe für dieses Verhalten.
Verstehe und merke: Arbeitest du in einer Kneipe, hast du mehr Stress, als wenn du in einer Kneipe trinkst.
5.) Lerne die Schwächen des Ignoranten, der ständig vorbeirennt, zu schätzen: In der Zeit können deine Genossen in Ruhe austrinken.
Und glaube: Jeder Kellner freut sich über mehr als eine Bestellung pro Dialog, aber nie über eine Bestellung pro just serviertem Getränk.
6.) Wenn du gefragt wirst, ob du noch einen Wunsch hast, sage nur „Nein, danke.“, wenn du dir ganz sicher bist, in der nächsten Viertelstunde nicht unter subjektiv unerträglich erscheinendem Durst leiden zu müssen.
Du wirst merken: Die wenigsten Tresenbediensteten fragen zweimal in fünfzehn Minuten.
7.) Ansonsten ist der erste Gedanke meist der richtige, außerdem gibt es kein perfektes Getränk, nur eines, das einem vorm sicheren Tod durch Dehydrierung retten kann.
Lange merken: Schnell entscheiden.
8.) Sollte man verheerenderweise „Nein, danke.“ verlauten lassen haben und doch Durst entwickeln, besteht der eigentlich einzige Ausweg darin, auf einen Augenblick der Tresenadministration zu warten und zügig ein Bier-, Wein- oder Cocktailglas in die Höhe zu halten. Deine letzte Bestellung kann man sich meistens merken, wenn nicht ist das Glas ein Hinweis. Und wenn das alles nicht hilft, kommt der Kellner schon, um sicher zu gehen.
Merkwürdig: Etwas anderes als bisher kannst du auch in folgenden Runden bestellen.
9.) Man kann Getränke zurück gehen lassen, das ist kein Beinbruch, genau wie ungenießbares Essen. Dann empfiehlt es sich aber, nicht allzu viel zu verkonsumieren. Sonst könnten Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Kritik aufkommen.
Merken: Die wenigsten Barleute versauen Drinks mit Absicht – das macht ihnen mehr Arbeit und sieht Scheiße aus. (Aber bitte freundlich bleiben.)
10.) Es ist ein Verbrechen, einen Kellner der schnell läuft – und mindestens mit einer Hand mehr Gläser balanciert, als du an einem Abend konsumieren könntest – am Arm zu packen und mit Bestellung zu drohen, dann aber noch einen endlosen Blick, begleitet von hektischem Blättern in die Karte zu werfen.
Es ist möglich sich drei Sachen zu merken.
11.) Es ist kein Verbrechen, sich in einer Kneipe erst einmal hinzusetzen und zu warten. Wer schnell trinken will, soll sich am Kiosk ein Bier holen.
Eine Untugend zum Vermeiden: Sich hinsetzen und sofort: „Können wir bestellen?“ rufen.
12.) Wenn man ein schales Bier bekommt und austrinkt, kann man es nicht kritisieren.
Man kann sich aber merken: Beim nächsten Mal Flaschenbier bestellen. Und dem Kellner nicht erklären, wie er Bier zapfen muss.
13.) Wer keine Zeit hat, kann in einer Kneipe nicht essen. Lange Wartezeiten ergeben sich aus gleichzeitig eingehenden Bestellungen.
Glaube: die Küche arbeitet immer so schnell wie möglich. Und nach Reihenfolge.
14.) (Mit Verneigung vor dem oben erwähnten Frank Kelly Rich:): „Wenn du kein Geld für Trinkgeld hast, hast du kein Geld um in einer Bar zu trinken.“
Suche unverzüglich den nächsten Spätkauf auf.
15.) Klassiker. Tipping is not a crime: In Deutschland sind zehn Prozent Trinkgeld üblich. Es ist ok, auf den letzten Euro abzurunden. Alles andere kann als Kritik verstanden werden. So sollte man also nur handeln, wenn man was zu kritisieren hat – man muss es aber nicht verraten.
16.) Wenn man zahlen möchte und nicht genug Geld bei hat, sollte man interne Schulden vorher eintreiben. Nichts ist für den Kellner unangenehmer, als daneben zu stehen, wenn sich Leute gegenseitig vorrechnen, wie viel die Laura jetzt noch von dem Andi kriegt.
Merke: Auch beim Bezahlen kann man sich beeilen. Und: Gute Freunde zahlen auch erstmal mit.
17.) Erforsche deine Gefühle: Du weißt vorher, wie viel du gezecht hast; falls nicht: Zehn Prozent sind schnell überschlagen. Erspare es dem Kellner, in seinem Beisein laut über die Höhe des Trinkgeldes nachzudenken oder gar Anwesende zu fragen, wie viel man da jetzt wohl bei 12,60 € gibt.
Der erste Gedanke ist meist der richtige. Gefühle eben.
18.) Zwei Sätze zu Stammgästen:
a) Auch Stammgäste haben kein Gewohnheitsrecht außer dem, das der jeweilige Tresenadministrator gerade formuliert.
b) Sie haben dafür die Pflicht, nicht mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, als ihnen gerade zuteil wird.
Mehr und neue Weisheiten gibt es hier.
6 Kommentare
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1.
ObiWan
13.Oktober 2007 | 19:04
Sehr schön!
2) Ich WILL aber ein Glas!
2.
Tapete
15.Oktober 2007 | 16:16
Ich bin eher so der Späti-Typ.
3.
Anders-wo-nicht-Thomas
15.Oktober 2007 | 22:34
Hab ich mich eigentlich schon über Zitronenscheiben und Teebeutel im Aschenbecher geärgert – ich meine hier. Ansonsten ist das nicht umsonst dabei.
4.
Bauhaustapete :: Empfehlung :: Oktober :: 2007
pingback
[…] Lebenistanderswo macht mal klar, wie man Barkeepern eine Freude macht. Er weiss wovon er spricht. Read […]
5.
Besserscheitern
18.Oktober 2007 | 9:41
wat is mit: Kein milchkaffee mehr nach 20 Uhr?
6.
Ivo
18.Oktober 2007 | 14:13
Wenn die Maschine noch an ist… Aber besser: morgens halbzwei einen Bananen-Milchshake bestellen – [löst begeisterten Gesichtsausdruck aus] – Wieso? Steht doch in der Karte!
a – Buskampage
Aha … yeah…
Campact.de
It’s the art
Ohrboot.de
Schneckenmühle – DAS sind Ferien
Aber jetzt: wegtreten, du Schäuble, du…!
Dreißig Schwerter | Mai und Beaflor
Werbung, wie gesagt
Wollen | Kriegen
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