2010
03.11

Eine gewisse Grundskepsis ist seit Jahren Teil meiner Sicht auf die Körperschaft Kirche, wobei mir die Katholische Kirche besonders suspekt ist. Gut, ich bin überzeugter ‘Säkularist’, aber was die Leute privat glauben wollen, ist ihr Bier und nicht meins. So soll es ja auch sein.
Die letzten Wochen allerdings nähren in von mir vorher nicht für möglich gehaltener Form meine Abscheu von neuem, und dass nun auch Papst und Papstbruder in den Medien auftauchen, klar, man hat ja fast schon damit gerechnet.
(In diesem Zusammenhang meine Hochachtung vor der Konsequenz der ehemaligen Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ich vermeide den Witz, was der Unterschied zwischen vier Tagen und vierzig Jahren ist.)
Allerdings kommt nun auch noch mein Teilbild der Kirche als irgendwie nützliche Institution ins Wanken: Grund dafür ist der Artikel, den der Kollege Blair mir zukommen ließ.

Die Forschungsgruppe Weltanschauungen recherchierte vor einigen Jahren die Kirchenquote, das ist der finanzielle Anteil, der aus Kirchengeldern in die Arbeit der kirchlichen Wohlfahrtsverbände einfließt. Die Ergebnisse lassen staunen. Caritasverband und Diakonisches Werk finanzieren ihre Arbeit zu 98 Prozent mit Staats- oder Versicherungsgeldern – die Kirchen tragen ganze 2 Prozent der Lasten. Entgegen der landläufigen Meinung erhalten die vielen kirchlichen Krankenhäuser und Altenheime von den Kirchen überhaupt keinen Zuschuss, denn die laufenden Betriebsausgaben (Personal- und Sachkosten) dieser Einrichtungen werden durch die Krankenversicherungen, die Investitionskosten durch die Länder finanziert. Bei konfessionellen Kindergärten und Kindertagesstätten liegt der finanzielle Anteil der Kirchen im Mittel gerade mal bei 10 Prozent.

Wow. Ich rechne nicht mit großer Wirkung, aber man staunt schon über die geniale Selbstvermarktung der beiden großen Kirchen, oder?

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