2009
10.07

Ist jedes Jahr das gleiche, im Herbst und üblicherweise auch im Frühjahr erhöht die Bahn die Preise (und wenn man nicht gerade eine Fahrt im ICE mit Verspätung ohne Speisewagen hinter sich hat, reicht das, um sie wieder zu lieben.)

Doch meine Liebe will die Bahn nicht, nur mein Geld. Wat’ne Überraschung, und dass man mittlerweile einfacher an einen Billigflug als an ein bezahlbares Bahnticket herankommt und sich nebenbei noch in einer Art und Weise gängeln lässt, die jeder Bezeichnung spottet) … man hat sich dran gewöhnt. Aber es ist scheinbar wie in einer Ehe: Man gewöhnt sich an die Macken der einstmals großen Liebe, doch jedes Mal, wenn sie wieder auftreten, ist es dieses altvertraute, und doch hasserfüllte Gefühl, zu wissen was nun kommt.

Wann fahren die meisten Leute Zug? Richtig, um Weihnachten rum ist ein voller Zug besser als die volle A2 und Mutti hat auch eher selten Verständnis dafür, den Weihnachtsbesuch in die zweite Januarhälfte zu verlegen. Auch das Argument “Da gibts günstige Tickets!” wird nicht ziehen; kalt und herzlos, so wird man geziehen werden. Also versucht man mit etwas über zwei Monaten Vorlauf, schonmal ein günstiges Fahrkärtlein zu erstehen (ich fahre dieses Jahr sicherlich erster Klasse, ist manchmal preiswerter) – man muss ja sehen, dass nicht schon irgendwer schlauer und oder schneller war und das Kontingent alle ist (Apropos ‘Kontingent’: Hat schon mal jemand ein 29,-€-Ticket gekriegt, eventuell auch für einen Zug, der nicht Dienstagmorgen um 3:55 Uhr in Berlin-Wannsee eingesetzt wird…?) Doch es hilft nichts. Wie jedes Jahr ist etwa zwei Wochen vor den Weihnachtsfeiertagen ein Fahrplanwechsel anberaumt und die elektronische Auskunft ist da auch ziemlich kaltschnäuzig: ist nicht, wann doch ist, wird nicht verraten, und so bleibt einem nichts anderes übrig, als von nun alle Woche mal zu schauen, ob vielleicht schon Karten im Dezember erhältlich sind, und man will es nicht in den Kopf reinkriegen (ICH WILL ES NICHT REINKRIEGEN, OH NEIN!), dass genau dieses Verhalten, dass sich jeder dieser ehemaligen Fluglinienmanager im Bahntower wünscht – nämlich ein halbes Jahr im Voraus Festlegungen zu treffen, die man in 30 % aller Fälle eh nicht einhalten kann -, dass also dieses Verhalten nicht nur nicht belohnt, sondern auch noch boykottiert wird. Ich bin ein weiteres Mal, wie in den Jahren zuvor (@Rüdiger Grube: “Es wird mir langsam zur liebgewonnenen Angewohnheit.”), ein wenig empört, sofern man “ein wenig empört” sein kann. Und ich tanze auf den Trümmern eurer Privatisierungs- und Börsengangspläne. Ich freue mich jeden Morgen nach dem Aufwachen, dass uns das Netz gehört und nicht euch. Und ich warte darauf, dass die anstehende Konkurrenz euch Manieren beibringt. Und ein wenig mehr Kundenfreundlichkeit.

1 comment so far

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  1. Hätt ich fast vergessen: Danke für die S-Bahn. Das war mir wichtig.