06.16
Nu isses Samstag, der 2. Mai und da mein Handy wieder funktioniert, kann ich wieder auf meine Gedankenstützen zurückgreifen und komm endlich zu einer weiteren Episode meines kurzen Reiseberichts, der jeden Tag nach Verlassen des Hauses zuerst mit einer Zigarette vor der Tür neben den Palmen (J.! Da sind sie.) beginnt. Palmen. Irland. Toll. Fehlen nur noch Sand, Meer, Mojito, endlos Freizeit.
Die heutige Freizeit begann des frühen Nachmittags auf dem Bahnsteig der Coolmine Station, von wo es immer in die Innenstadt oder anderswohin ging. Diesmla jedoch muss was Sportliches anstehen. Rote Trikots mit Toyota-Aufdruck, blaue Trikots mit Bank of Ireland-Aufdruck. Muss wohl was los sein. Wie sich herausstellte, war der 2. Mai eine Art inoffizieller Nationalfeiertag. Munster vs. Leinster – die Two Tribes. Das größte Rugbyspiel, das Irland jedes Jahr erlebt. Wer ist die Nummer 1? Die aus dem Süden mit dem lustigen Akzent oder die aus der Region um Dublin, die auch Leinster heißt. Der Croke Park fasst 82.000 Besucher und meine Bahn fährt direkt daran vorbei, so dass man vom Zug aus ins Stadion hineinblicken kann. Jeder Stadionbesucher weiß, dass so was ganz schön beeindrucken kann. Noch beeindruckender fand ich jedoch die entspannte Stimmung der Rugbyfans, die auch gerne mal in trikotmäßig gemischten Grüppchen unterwegs waren. Ich hab keine Ahnung von Rugby und widmete mich lieber einem weiteren großen Bogen durch die Stadt, in der überall Menschen nach Tickets für DAS Spiel suchten. Fahnen allerorten, jede Laterne beflaggt, jeder Pub mit Fahnen dekoriert. Ein WM-Finale ist ein Scheiß dagegen.
Ich erstand ein paar günstige Hemden (natrlich weiß und schwarz – die einzigen Farben, die Männerhemden haben dürfen) und setzte mich auf ein halbes Stündchen in einem CD-Laden fest, wo ich die erste Madness-Best of meines Lebens erstand, die frei von „Our House“ war, und die letzte Elbow-LP gabs es gleich noch dazu. Brauchte ich eigentlich nicht, aber da mich diese Platte an einen zauberhaften Nachmittag beim letztjährigen Hurricane erinnerte, ließ ich meiner Sentimentalität freien Lauf und tat, was jeder anständige Tourist zu tun hat: ich konsumierte.
Und irgendwann kam er doch noch, der erste Regen, so dass ich nolens volens einen Pub aufsuchen musste. Ein Guinness, drei Postkarten, was tu ich mit dem Rest vom Tag? Und da kams mir: heute läuft ja Rugby, and when in Rome, do as the Romans do. Also beschloss ich, mir das Spiel anzusehen, was nebenbei bemerkt ein formidabler Grund für zwei weitere Guinness und eine Portion Fish & Chips war. Tolle Sportart, dieses Rugby: weniger taktisches Heckmeck als beim American Football, dafür offensichtlich sehr fair und mit richtigen Männern, die sich gelegentlich sehr wehtun. Und spannend. Und verständlich.
Irgendwann war das Spiel vorbei und Leinster hatte zur allgemeinen Überraschung deutlich den amtierenden Champion entthront und ich wackelte weiter frohgemutes meines Weges, um vor irgendeinem Night Club darauf aufmerksam zu werden, dass da gerade Barca-Real Madrid läuft und mein Barca die doofen Hauptstädter platt macht. Also dort herumgestanden und dieses Fußballfest genossen. Da kenn ich mich wenigstens aus. Dann fragte mich ein Munsterian nach dem Weg irgendwohin. Meine Tarnung funktionierte also: When in Rome…
Währenddessen entleerte sich die Zuschauermasse aus dem Croke Park in die Dubliner Innenstadt und mir wurde mulmig, man stelle sich vor, ein bedeutendes Fußballspiel ginge zu Ende, das ganze Land (z.B. Deutschland) wäre in Aufruhr und nun suchen sich 40.000 enttäuschte einen Ort zum Betrinken. Nix derglecihen! Entspannt, friedlich, miteinander begaben sich die Rugbyfans in Richtung Abendplanung/Innenstadt. Nix Gewalt, nur ein paar Autocorsos und spontane Gesangseinlagen der Leinsterians. Beeindruckend. Unerwartet.
Im Zug zurück gen Coolmine setzte sich dann ein älterer Herr neben mich. Man kam ins Gespräch, er outete sich als Munsterian und zeigte sich „Very disappointed.“ Wir plauderten dann den Rest des Weges, über Irland, wie es mir gefiele, warum man unbeidngt mal Berlin besuchen müsste, über das deutsche Bildungssystem und schwupps war ich am Zielort meiner heutigen Reise angekommen. Es regnete, ich war glücklich und fiel ins Bett.
a – Buskampage
Aha … yeah…
Campact.de
It’s the art
Ohrboot.de
Schneckenmühle – DAS sind Ferien
Aber jetzt: wegtreten, du Schäuble, du…!
Dreißig Schwerter | Mai und Beaflor
Werbung, wie gesagt
Wollen | Kriegen
Warum gibts denn keine Fotos? Sehr trocken…wenn auch nett lesbar.
Weil ich nie fotografiere. Darum. Hab keine Digitalkamera und keine Meinung, sondern ein gutes Gedächtnis.
Fotos über Irland sind nett, aber Irland “live” ist schöner!