05.15
Ausgeschlafen! Schon das zweite Mal in dieser Woche. Es ist wirklich wie… Urlaub! Ganz genau, das ist Urlaub. Ewig nichts getan. Verstanden, wie die irische Klospülung funktioniert. Das wird in den nächsten Tagen einige Minuten sparen. Weitere Minuten mit Terry Pratchett verbracht. Und dem Stadtplan. Und dem Sinnieren über eine irische Regelung Feiertage betreffend: Zwar ist heute der 1. Mai (keine Kommentare dazu bitte, ich verwurste Reisenotizen!), jedoch geht der Ire, der seinen Job noch nicht verloren hat (die Krise ist hier angekommen, jede Woche verlieren Leute ihre Jobs), auch am 1. Mai seinem Tagwerk nach. Der freie Tag wird einfach ans nächste Wochenende rangehangen; ein freier Montag gefällt eigentlich jedem und man muss nie Brückentage mit Urlaub freiprügeln und dabei Rücksicht auf Kollegen mit Kindern nehmen. Dafür gibt es in Irland durchschnittlich weniger bezahlte Urlaubstage. Aber trotzdem wird im Radio nur über das May Bank Holiday Weekend gesprochen. Könnte man in Deutschland genauso machen. Und schon ist es Nachmittag; die Tür macht Geräusche und in Ermangelung von Poltergeistern ist es meine Gastgeberin, die früher als geplant nach Hause kommt. Ihre Firma entlässt massig Leute, das sind schlechte Nachrichten. Ratlosigkeit. Dann entscheidet sie sich für einen Ausflug ins Grüne, Hunde machen Hundehalter eigentlich immer glücklich. Mich schmeißt sie am Einkaufszentrum raus. Der Begriff ‚Zentrum’ trifft es, das ist ein riesiger Komplex, dagegen sind unsere hiesigen Einkaufsparks auf der ehemals grünen Wiese Tante Emma-Läden. Gehe zu Penney’s: da soll es günstige Kleidung geben. Eine hübsche und viele ausnehmend freundliche Verkäuferinnen lassen sich von mir einfach nicht auf die Nerven gehen. Probleme bereiten mir unter anderem die irischen Größen. Ich bin wirklich nicht allzu schmal, aber die Iren müssen mordsmäßige Brustkörbe haben, ein Trugschluss, wie sich herausstellt. Also schmale Größen bei den Hemden gesucht und einmal gefunden. Dazu noch ne Hose und ne Kapuzenjacke für 32 Euro. Und Denise, die hübsche Verkäuferin, möge ihr Gott einen wirklich netten Mann schenken, oder eine Frau, wenn ihr das besser gefällt.
Abends geht es nach Bray, einem Badeort südlich von Dublin, dort war meine Gastgeberin während ihres Austauschjahres jeden Samstag Bree hören, Bree Harris – eine Art irische Janis Joplin, nur etwas dicker, mit über dreißig noch am Leben und mit besserer Haut. Aufgrund ihrer Stimme wurde mir während des Konzerts absolutes Redeverbot auferlegt. Witzigerweise habe ich mich dran gehalten.
Bray ist eine Art irische Idealidylle. Meer. Berg. Wie ne Postkarte. Traumhaft schön. Genau hier wollte ich hin, als die diffuse Idee aufkam, mal nach Irland zu reisen.
Ein kleiner, dunkler, uriger Pub, die Harbour Bar. Wenn ihr mal in Bray seid, und direkt am Meer ein Pint trinken wollt, geht hin. Die Band aus lauter gestandenen Musikern spielt sich durch eine Vielzahl von Bluesklassikern und lässt den Auftritt nach knapp zwei Stunden mit einer furiosen Version von „Purple Rain“ enden. Seit Prince ist da so ziemlich jeder dran gescheitert. Nicht Bree in Bray. Faszinierend. Wahnsinn. Ich habe Janis Joplin gehört, nicht gesehen. Aber trotz der Masse von Menschen sind alle entspannt, wozu die Raumverhältnisse nichts beitragen. Doch während ich auf zwei Pints warte, gehe ich auf Klo, drücke dem Typen zu meiner Rechten das Geld in die Hand, er soll schon mal zahlen. Und das Tip nicht vergessen. Komme wieder, Wechselgeld passend, nur inklusive dem veranschlagten Trinkegeld. Gibt man hier nicht, hab ich jetzt verstanden. Nur das mit der Sperrstunde ging mir nicht so recht rein in meinen Schädel; gestern waren wir in einem Night Club, das hier ist keiner. Um zwölf ein letztes Pint bestellt. Bitte zur anderen Bar? Kein Problem. Dort wurde mir mitgeteilt man sei closed. Closed or closedclosed? Closedclosed, sorry Sir. No need to. Nach Hause gerast, ich auf dem Fahrersitz. Sie mit Lenkrad und Pedalen. Ohne Lust hin, glücklich zurück. Ich bin begeistert. Denke zum ersten Mal über das Dableiben nach.
a – Buskampage
Aha … yeah…
Campact.de
It’s the art
Ohrboot.de
Schneckenmühle – DAS sind Ferien
Aber jetzt: wegtreten, du Schäuble, du…!
Dreißig Schwerter | Mai und Beaflor
Werbung, wie gesagt
Wollen | Kriegen
Idyllisch. Aber für immer? Da oben? Na gut…hier kommt man auch nicht öfter ‘raus’. Aber besuchen kann man Irland ja mal. Irgendwann.
Dableiben, kann ich gut verstehen. Schon allein wegen Bray, dem Coast Walk, ja und erst recht: wegen der Palmen.